Natürliche Haarpflege

Natürliche Haarpflege

Seit ich denken kann, hatte ich immer lange Haare. Zu Teenager-Zeiten waren sie sogar so lang, dass sie mir bis über den Popo reichten. Als ich noch klein war, kringelten sie sich zu wunderbaren Löckchen, später tendierten meine Haare eher zu einer welligen Struktur. Künstliche Haarfarbe benötigte ich nie, da ich von Natur aus mit einem sehr satten braun gesegnet bin.  Mit den Jahren variierte ich hier und da mal, probierte verschiedene Schnitte aus, hatte verschiedene Versionen eines Ponys,… Doch eigentlich war die Pflege und das „Herrichten“ immer mit viel Aufwand verbunden.
Was mich immer besonders störte: nach dem Waschen brauchten sie unheimlich lang, um zu trocknen, selbst wenn ich sie föhnte dauerte es eine gefühlte Ewigkeit. Außerdem: wenn es draußen nur ein bisschen nieselte, fingen sie stets sofort an zu krisseln. Irgendwie kamen mit der Zeit noch weitere unschöne Eigenschaften hinzu, wie z.B. trockene Spitzen, und zuletzt sogar eine überempfindliche, mit Schuppen reagierende Kopfhaut, sodass die Pflege für mich nur noch ein anstrengender Akt war.

Irgendwann im April 2016 bin ich durch auf einen Reiseblog gestoßen, der mich dazu anregte meine komplette Haarpflege zu überdenken. „No poo“ war das Stichwort – Haare nur mit Wasser waschen? Das soll funktionieren? Ich stolperte von einer Website zur nächsten und lies mich von vielen Erfahrungsberichten und Bildern überzeugen, sodass ich mein eigenes Experiment startete. Ich hätte mich  natürlich zunächst auf ein naturkosmetisches Shampoo oder sonstige Alternativen einlassen können, doch ich entschied mich sofort für den radikalen Weg. Mein Mann war sehr skeptisch und hoffte nur, dass ich nicht in wenigen Wochen verfilzte, stinkende Haare haben würde.

Das erste Mal Haare nur mit Wasser waschen gestaltete sich ganz einfach, denn da wussten ich und meine Kopfhaut wahrscheinlich noch nicht so richtig, was auf uns zu kam. Ich hatte zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Gefühl einer wirklichen „Reinigung“, doch zumindest hatte ich auch keine arg fettigen Haare, wie ich es erwartet hatte. In den Erfahrungsberichten hieß es immer, es dauert ungefähr 6 Wochen, bis sich die Kopfhaut komplett umstellt. So nahm ich mir dieses als Ziel und wollte zumindest 6 volle Wochen durchhalten, um dann zu entscheiden, ob ich meine Haarpflege komplett umstellen würde. Ich verzichtete also ab diesem Zeitpunkt auf alles, was nur irgendwie in Plastikflaschen in der Drogerie erhältlich ist: Shampoo, Spülung, Conditioner, Spitzenfluid, Anti-Frizz-Lotion und Hitzeschutzlotion. Diese Produkte landeten (zusammen mit noch anderen, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr notwendigen Kosmetika) in einer großen Tüte und wurden vorerst im Keller verstaut. Haarspray und Schaumfestiger hatte ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht benutzt, doch auch diese verbannte ich aus meinem Bad. Für mich war es wichtig, dass ich nicht zufällig in Versuchung komme und sofern ich eine Krise habe, das Experiment ganz bewusst abbreche.

Im Laufe der 6 Wochen probierte ich viel aus, las regelmäßig im Netz auf verschiedenen Seiten, um nicht zu verzweifeln und doch wieder auf irgendein Shampoo oder andere Produkte zurückzugreifen und machte mich mit allen Tricks vertraut, um nur irgendwie die Zeit zu überstehen.

Wie funktioniert Shampoo

Shampoo ist simpel gesagt eine Gewohnheit. Wir haben es von klein an so beigebracht bekommen: Haare werden mit Shampoo gewaschen, damit sie sauber werden. So haben wir im Laufe der Jahre unsere Kopfhaut schön trainiert, denn: Shampoo reinigt die Kopfhaut und befreit sie von Schmutz, Fett und Bakterien. Dabei muss unser Körper nicht mehr viel leisten. Herkömmliche Shampoos sind dabei vollgestopft mit Parfüm-, Farb-, Konservierungs- und weiteren für mich nicht bekannten Inhaltsstoffen. Diese leisten natürlich eine gewisse Form der Reinigung, lassen die Haare schön duften und haben noch viele andere tolle Eigenschaften wie z.B. dass sie das Haar bei jedem Waschen zusätzlich colorieren oder samtig weich machen.
Doch so bringt Shampoo eine gewisse Abhängigkeit mit sich: man benutzt es, es reinigt die Haare und sobald die Haare nachfetten nutzt man es erneut. Doch warum fetten Haare überhaupt, und warum schuppt unsere Kopfhaut?

Der Körper nutzt die Kopfhaut für die Reinigung und in gewisser Hinsicht auch für die Entgiftung. Wenn die Haare schnell fettig werden oder Schuppen zu sehen sind, kann man eigentlich davon ausgehen, dass der Körper zu viele Gifte in sich trägt, die er auf irgendeine Weise ausscheiden will. Auf der anderen Seite dient das Sebum, welches aus den Drüsen der Kopfhaut gelangt und als fettiger Film empfunden wird, den Haaren selbst, denn es nährt und schützt sie. Beginnt man also damit die Haare ohne Schampoo zu waschen, versucht die Kopfhaut dies selbst zu regulieren und schießt erst einmal eine Menge Sebum vor, um sicher zu stellen, dass die Haare nicht austrocknen und ausreichend genährt sind.

Bio-Shampoos

Shampoos aus dem Bioladen, bzw. von alternativen Marken sind zumindest frei von Parfüm-, Farb-, Konservierungs- und sonstigen Zusatzstoffen. Auch Parabene oder Parafine sind hier i.d.R. nicht enthalten. Was sind Parabene eigentlich und macht dies wirklich einen Unterschied? Parabene hin oder her, schlussendlich tun wir doch etwas Chemisches auf unseren Körper. Es heißt, man solle Shampoo nicht in den Mund nehmen, und vor allem nicht schlucken. Unsere Kopfhaut jedoch nimmt das Shampoo mit jedem Haarewaschen auf, sodass all die Inhaltsstoffe direkt in unseren Körper gelangen können. Auch ein super biologisches Bio-Shampoo würde man doch nicht in den Mund nehmen, oder?

Spülung, Conditioner, Spitzenfluid etc.

Die Drogerien bieten neben Shampoos noch eine sehr große Palette an zusätzlichen Produkten zur Pflege unserer Haare an. Es gibt Spülung, um die Haare sehr weich zu machen. Ein Conditioner sollte einmal wöchentlich aufgetragen werden. Damit die Spitzen nicht trocken werden, hilft Spitzenfluid. Zum Schutz vor dem Föhnen gibt es eine Hitzeprotection. Für die Sonne gibt es auch ein Spray mit UV-Filter. Für jeden Anlass und für jedes kleine Problem des Alltags wird ein neues Produkt entworfen, am Ende sammelt sich alles in unserem Bad und wir machen uns weiter abhängig. Wenn man einmal hinter die Kulissen schaut, merkt man, dass sich alles gegenseitig bedingt: denn wenn man z.B. mit dem Shampoo nicht die Haare so arg austrocknen würde, bräuchte man kein Spitzenfluid und auch keinen Conditioner.

Alternativen

Ich habe in den ersten Monaten meiner Shampoo-Abstinenz verschiedene Hausmittel ausprobiert, bin jedoch schlussendlich zum Ursprung zurückgekehrt, da ich mich damit am wohlsten und auch am unabhängigsten fühle. Dennoch möchte ich im Folgenden die Möglichkeiten vorstellen und meine Erfahrungen dazu schildern.

Roggenmehl ist ein Klassiker zum Haarewaschen. Hierfür soll man ca. 2 EL Roggenmehl mit ein wenig lauwarmen Wasser vermischen, um dann mit dieser Mischung die Kopfhaut zu reinigen und von Scmutz zu befreien. Ein wirklicher Vorteil sind die guten Inhaltsstoffe des Roggenmehles, wie z.B. die B-Vitamine, die dadurch von der Kopfhaut aufgenommen und auch die Haare nähren können.
Ich habe es mehrfach ausprobiert und im Anschluss, als meine Haare getrocknet waren, leider immer noch verklebte Mehl-Klumpen in meinem Haar gefunden. Es war für mich sehr schwierig, dass Mehl wieder komplett rauszuwaschen, auch wenn es meine Kopfhaut gut gereinigt und von bspw. Schuppen befreit hat.
Manche berichten sehr positiv davon und betonen, dass sich das Waschen mit Mehl sogar seifig anfühle, vielleicht hängt dieses auch von der Haarstruktur oder vom Druck des Wasserstrahls ab. Ich habe auch probiert, das Roggenmehl wie eine Art Trockshampoo zu benutzen. Im Folgenden schimmerten meine Haare eher gräulich und ich fühlte mich ein bisschen wie eine Oma. Als ich versucht habe, das Mehl dann auszuwaschen, hatte ich einen ähnlichen Effekt wie bei der Mehl-Wasser-Mischung. Ein weiterer Nachteil: immer, wenn ich probiert habe, meine Haare mit Mehl zu waschen, waren sie danach sehr trocken und fetteten innerhalb weniger Stunden dermaßen nach, dass es für mich ein wirklich unangenehmes Gefühl war. Man liest immer wieder, dass manch einer seine Haare mit Natron oder Backpulver wäscht. Nachdem ich keine sehr positiven Erfolge mit dem Mehl hatte, habe ich dies bisher noch nicht ausprobiert. Dennoch stellt es eine weitere, sehr natürliche Alternative dar.
Ein wenig Backpulver mit den Fingerspitzenauf dem Hinterkopf verteilt (ca. 1 EL) stellt übrigens jedoch eine super Alternative dar. Ich benutze es dann und wann wie ein Trockenshampoo. Man darf davon wirklich nicht zu viel verwenden und sollte es bestenfalls wirklich direkt am Haaransatz auftragen. Anschließend sind meine Haare dann griffiger und voluminöser!

Kakao soll besonders bei braunen, bzw. dunklen Haaren wie ein wunderbares Trockenshampoo funktionieren. Hierfür soll man 1-2 TL auf die Kopfhaut geben, einmassieren und anschließend wieder auskämmen. Sicher mag es viele positive Erfahrungsberichte geben, und Kakao ist vor allem in roh-Qualität voller guter Inhaltsstoffe. Bei mir war es leider ein reines Desaster: Das Auskämmen war unheimlich schwierig, ich versuchte es mit verschiedenen Bürsten und somit verteilte sich der Kakao in meinem ganzen Bad! Nachdem mein Bad aussah wie eine Backstube und ich all meine Bürsten ordentlich waschen musste, schimmerte meine Kopfhaut im schönsten schokobraun. Anschließend musste ich also meine Haare noch einmal gründlich waschen, sodass ich auch in der Dusche einen schönen braunen Film hinterlies. Meine Haare waren danach sauber und der Kakao war sicherlich sehr förderlich für das schöne, natürliche braun. Jedoch ist es für mich keine Lösung für das alltägliche Haarewaschen 🙂

Lavaerde ist eine Wascherde und kann traditionell zur Körper- und Haarpflege verwendet werden. Dies ist eine sehr feine Erde und ähnelt der Heilerde, eignet sich jedoch durch die noch feinere Struktur zum Waschen der Haare und lässt sich relativ gut auswaschen. Ich habe Lavaerde vor allem in den ersten Wochen genutzt, wenn ich das Gefühl hatte, dass meine Haare sehr fettig sind. Hierbei schafft sie gut Abhilfe und reinigt die Kopfhaut auf natürliche Weise. Lavaerde ist sehr mineralstoffreich und versorgt somit die Kopfhaut mit den notwendigen Mineralstoffen, welches ein sehr angenehmer Nebeneffekt ist. Man nimmt hierfür ca. 1 EL der Erde und vermischt ihn mit etwas Wasser, sodass eine schlammartige Masse entsteht, die man dann auf die Kopfhaut gibt, einmassiert und damit von Schmutz befreit und reinigt. Doch auch hier haben sich meine Haare besonders am Haaransatz anschließend immer eher trocken angefühlt und spätestens einen Tag später so stark nachgefettet, dass es recht unangenehm war. Grund hierfür könnte sein, dass durch die Reinigung mit Lavaerde meine Kopfhaut so stark angeregt wurde, dass die Poren ordentlich Sebum ausgeschüttet haben.
Auch wenn Heilerde eigentlich zu grobkörnig sein soll, habe ich gelesen, dass manch einer damit gute Erfahrungen gemacht hat und damit seine Haare waschen kann. Manche berichten jedoch auch, dass sie sich sehr schwer auswaschen ließe. Da ich jedoch das Gefühl hatte, dass ich meinem Haar mit all meinen Experimenten schon genug angetan hatte, habe ich Heilerde bis jetzt noch nicht ausprobiert 😉

Apfelessig kann als Spülung verwendet die Haare schön glänzend machen. Man nimmt hierfür einen großen Schluck Essig zusammen mit 1 Liter Wasser und gießt sich diese Mischung über die Haare, bzw. die Kopfhaut. Anschließend kann das Haar nochmals mit Wasser ausgespült werden, manche lassen die Mischung jedoch auch im Haar. Hintergrund ist, dass Essig säurehaltig ist und damit das Haar spült und sehr weich macht. Auf der anderen Seite reinigt, beruhigt und desinfiziert es die Kopfhaut. Nachteil ist, dass es auf Reisen ein wenig umständlich ist immer eine Flasche Apfelessig im Gepäck zu haben. Für mich war vor allem aber der sehr stechende Geruch dafür ausschlaggebend, dass ich Apfelessig nicht sehr lange als Spülung benutzen konnte. Wer es einmal ausprobiert, wird merken, dass nach einer Apfelessigspülung das gesamte Bad danach riecht. Wenn man die Mischung nicht aus dem Haar spült, und seine Haare mit einem Handtuch hochbindet oder trocknet, kann man das Handtuch danach auch direkt in die Waschmaschine geben, da der Geruch sich sehr dominant darin hält.

Zitronensäure kann auch für das Spülen der Haare verwendet werden. Hierfür nimmt man ebenfalls 1 Liter Wasser und gibt einen Spritzer Zitrone hinzu, um mit dieser Mischung anschließend Kopfhaut und Haare zu spülen. Durch die Säure werden die Haare sehr weich und lassen sich so gut kämmen. Vorteil ist wahrhaftig, dass die Zitrone relativ geruchsneutral ist. Ich habe verschiedene Varianten ausprobiert. Beim Ausquetschen einer Zitronen hatte ich hinterher stets kleine Stückchen der Zitrone in meinen Haaren, die ich dann noch auskämmen musste. Im Bioladen oder auch in der Drogerie gibt es meist fertig gepresste, in 200ml Flaschen abgefüllte Fläschchen. Diese halten sich laut Verpackungsangabe jedoch nur 5 Tage im Kühlschrank. Sie funktionieren wunderbar zum Haarewaschen und wenn ich sowieso zufällig solch ein Fläschchen Zitronensaft da habe, nutze ich ihn sehr gern zum Haare waschen. Für Reisen ist diese Variante jedoch auch ungeeignet. Mein All-Time-Favorite ist aktuell eine Sqeeze-Zitrone aus dem Supermarkt (auch wenn sie leider, leider in einer Plastik-Flasche abgefüllt ist). Diese muss nicht gekühlt werden, hält bei mir mindestens 2 Monate und es reicht ein kleiner Spritzer für 1 Liter Wasser, da der Saft hochkonzentriert ist. Zudem kostet solch eine Sqeeze-Zitrone 50 cent.
Anmerkung: Es sollte auf keinen Fall die Zitronensäure aus der Haushalts-Abteilung (in Pulverform) verwendet werden, da diese unter keinen Umständen auf die Haut gelangen darf und hochgiftig ist! Ascorbinsäure ist auch als Zitronensäure bekannt und enthält sicherlich viel Vitamin C, ist jedoch chemisch und künstlich hergestellt und stellt daher keine wirkliche Alternative dar.
Ein weiterer Vorteil der Zitronenspülung ist, dass sie eine sehr positive Wirkung auf kalkhaltiges Wasser hat. Es heißt nämlich, dass prinzipiell auch kaltes Wasser zum Spülen der Haare ausreichend wäre. Wer in einer Gegend wohnt, wo das Wasser sehr hart und kalkhaltig ist, wird jedoch keine großen Erfolge haben, wenn er seine Haare einzig und allein mit (kaltem) Wasser spült. Der Kalk hält sich in den Haaren, besonders am Ansatz und es fühlt sich sehr unangenehm an. Ich habe es mehrfach versucht. Ein Spritzer Zitrone schafft hier sehr schnell Abhilfe und wirkt Wunder!

Ätherische Öle wie z.B. Pfefferminzöl, Salbeiöl oder Teebaumöl ergänzen eine Zitronensäurespülung oder eine einfache Spülung mit Wasser, sofern das Wasser nicht zu hart ist. Besonders Teebaumöl und Salbeiöl haben eine entzündungshemmende Wirkung und wirken beruhigend auf die Kopfhaut. Pfefferminzöl ist dazu antibakteriell und wirkt Pilzen entgegen. Alle drei Varianten lassen die Haare frisch und angenehm duften. Für mich ist besonders Salbeiöl eine Wunderwaffe, da es eine sehr positive Wirkung auf Schuppen hat, indem es die Kopfhaut beruhigt und somit ein Nachschuppen der sensiblen Kopfhaut verhindert. Auch wenn meine Kopfhaut manchmal gejuckt hat, half eine Spülung mit äth. Salbeiöl sofort! Schon wenige Tropfen aller drei genannten ätherischen Öle reichen für eine Spülung von 1 Liter Wasser aus.

Schwarzer Tee soll durch seine Gerbstoffe die Haare ebenfalls pflegen können. Hierfür soll man schwarzen Tee hochkonzentriert aufgießen und lange ziehen lassen. Wenn er abgekühlt ist, kann er zusammen mit Wasser vermischt als Spülung verwendet werden. Ich habe es einige Male ausprobiert. Es ist natürlich etwas anstrengend, wenn man immer im Voraus planen muss, wann man seine Haare wäscht, um dann rechtzeitig Tee aufzusetzen. Bei mir haben sich meine Haare anschließend leider auch nie wirklich sehr weich angefühlt und der Tee hat einen eher schleimigen Film auf meinen Haaren hinterlassen, dass ich sie hinterher immer noch einmal sehr, sehr gründlich mit Wasser nachspülen musste, auch wenn die Schwarztee-Wasser-Mischung in den Haaren verweilen sollte.

Was  brauchen die Haare

Es heißt, Haare müssen ordentlich gekämmt werden – das ist richtig. Es werden Empfehlungen gegeben, die besagen, dass 100 Bürstenstriche am Tag unabdingbar sind. Durch das Bürsten werden die Haare mechanisch gereinigt. Man massiert die Kopfhaut, welche dadurch zur Durchblutung angeregt wird. Man reinigt automatisch die Poren, welche dazu angeregt werden eventuell Sebum nachzuschießen. Und man befreit die Haare von Schmutz, Talg und Schuppen.
Es gibt verschiedene Bürstenmodelle. Besonders hochgelobt wird dabei die Wildschweinborsten-Bürsten aus 100% Naturmaterialien, ohne Plastiknoppen. Außerdem eignet sich ein Kamm zum Kämmen der Haare. Hier gibt es mittlerweile ebenfalls auch viele Modelle aus Naturmaterialien.
Sämtliche Utensilien, also Kämme wie auch Bürsten, sollten regelmäßig gereinigt werden, damit dann auch ihre Reinigungsfunktion für die Haare erhalten bleibt. Für die Reinigung eignen sich lauwarmes Wasser und eine milde Seife. Für Wildschweinborsten gibt es zusätzlich noch einen kleinen Besen aus Metallborsten, der Staub und Haare sehr gut entfernt. Anschließend sollen die Bürsten kopfüber (also mit den Borsten nach unten) auf einem kleinen Handtuch durchtrocknen.

Entgegen aller Empfehlungen kämme ich meine Haare nicht täglich, sondern nur dann, wenn ich wirklich das Gefühl habe, dass sie gekämmt werden müssen. Natürlich bürste ich sie regelmäßig, doch das tägliche Kämmen ist für mich defintiv nicht nötig, wenn nicht sogar überflüssig. Ich habe immer wieder versucht, die Empfehlung der 100 täglichen Bürstenstriche zu befolgen, doch reizt es meine Kopfhaut einfach zu sehr und es geht ihr viel besser, wenn ich sie einfach mal in Ruhe lasse. So kann sich auch meine wellige Haarstruktur auch viel besser entfalten. Zudem habe ich gemerkt, dass es mindestens 24 h braucht, bis sich meine Haare, bzw. Kopfphaut nach dem Waschen regulieren, sodass ich sie durch zusätzliches Bürsten oder erneutes Waschen nur durcheinander bringen würde. Optimalerweise bürste ich sie nach dem Waschen daher bis zu 3 Tagen erstmal nicht. Wenn ich sie dann bürste, dann überschreite ich die 100 Bürstenstriche sicherlich um einiges und ich benutze hierfür verschiedene Bürsten. Zum einen habe ich den Tangle Teazer. Natürlich ist dies keine Bürste aus Naturmaterialien, jedoch hat sich diese in vielerlei Hinsicht als sehr positiv für mich erwiesen. Zum einen lässt sich mit dem Tangle Teazer die Kopfhaut wunderbar und schnell reinigen, denn hierdurch lösen sich keine überflüssige Schüppchen und Partikel. Zum anderen massiert es und regt zur Durchblutung an, dazu entwirrt er meine Haare ohne zu ziepen. Mit dem Tangle Teazer leiste ich quasi die Vorarbeit für das Nachbürsten mit der Holzbürste mit Wildschweinborsten, welche dann die Haare nochmals gut reinigt und all die kleinen Schüppchen und Partikel auskämmt. Außerdem verteilt sie das Sebum gut im ganzen Haar, daher macht es auf jeden Fall Sinn mit jedem Bürstenstrich vom Ansatz  bis hin zu den Spitzen zu kämmen. Ich habe verschiedene Modelle mit Wildschweinborsten ausprobiert und würde nicht dafür plädieren extra viel Geld für solch eine Bürste auszugeben. Sicherlich macht es Sinn, sich nicht eine super günstige zuzulegen, mit einer besonders Hochwertigen habe ich jedoch beim Pflegen meiner Haare keinen großen Unterschied gemerkt.
Für das Kämmen nach dem Haare waschen nutze ich einen grobzinkigen Kamm aus Holz.

Außerdem merke ich immer, dass es sich sehr gut anfühlt, wenn ich mit meinem Händen die Kopfhaut etwas gröber für wenige Minuten massiere. Hier lösen sich oft noch kleinere Schüppchen, sodass ich in der Regel noch einmal mit der Wildschweinborstenbürste nachkämme, aber es ist wirklich effektiv! Besonders bietet sich das vor dem Haarewaschen an.

Ich wasche meine Bürsten und den Kamm sehr regelmäßig, meistens 2x pro Woche, damit sie optimal funktionieren. Der Unterschied ist jedes Mal deutlich zu spüren, wenn die Bürsten dann wieder sauber sind. Vorteil des Tangle Teazers und der Wildschweinborstenbürste ist defintiv, dass sie sich super leicht reinigen lassen und es eine Sache von wenigen Minuten ist.

Zusätzlich zur mechanischen Reinigung von Kopfhaut und Haaren durch intensives Bürsten, steht dem Waschen natürlich nichts im Weg. Für eine zusätzliche Reinigung bzw. Spülung bieten sich alle oben genannten Alternativen (und sicherlich sogar noch mehr) an und man muss einfach ausprobieren, was für seine Haarstruktur am besten passt. Leistet man mit den Bürsten zunächst gute Vorarbeit, werden die Haare anschließend mit dem Wasser noch einmal gereinigt und ein eventueller fettiger Film, bzw. kleine Schüppchen oder Schmutz hinausgespült. Das Wasser sollte dafür nicht zu heiß sein, doch auch zu kaltes Wasser reinigt nicht ordentlich, sodass eine lauwarme Temperatur optimal ist. Man sollte sie jedoch nicht zu lange spülen, sonst trocknet es die Kopfhaut und auch Haare aus, was dann eventuell später zur Folge hat, dass sie arg nachfetten.

Ich bürste meine Haare vor jedem Waschen gründlich, sodass dies die eigentliche Reinigung der Kopfhaut ist und sie von allem Überflüssigen befreit. Wichtig ist dabei, dass ich immer über den gesamten Kopf kämme und vor allem auch den Hinterkopf nicht außer Acht lasse. Ich spüle anschließend meine Haare mit eher lauwarmen Wasser recht kurz aus und spüle sie dann kurz nach. Hierfür nutze ich eine Mischung aus 1 Liter Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft sowie zwei, drei Tropfen ätherischer Öle (die ich im Wechsel variiere). Zum Schluss spüle ich noch einmal kurz mit lauwarmem Wasser nach. Anschließend brauchen meine Haare ungefähr 1 Stunde bis sie ganz durchgetrocknet sind und sich locken. Dafür benötige ich allerdings keinen Föhn – den nehme ich nur, wenn’s mal ganz schnell gehen muss, und dann auch nur mit mäßiger Hitze und viel Luftdruck!

Fazit

Mein Experiment war nach 6 Wochen noch lange nicht beendet. Es dauerte sogar eine ganze Weile, bis ich wirklich zufrieden war mit meinem Waschvorgang und auch das Gefühl hatte, dass meine Haare sich angenehm anfühlen. Wenn man sich durch den Kopf gehen lässt, wie lange man seine Haare und Kopfhaut mit irgendwelchen Zusätzen und Shampoo trainiert und geschädigt hat, ist es aber kein Wunder, dass zunächst alles aus der Balance gerät und es etwas Geduld bedarf, bis sich wieder ein Gleichgewicht eingestellt hat. Doch die Mühen waren es wert: Aktuell bin ich sehr zufrieden mit der Einfachheit der Zitronen-Wasser-Spülung, die ein gründliches Haarekämmen nur ergänzt. Ich spare seither wirklich viel Geld, welches ich eben nicht mehr für sämtliche kosmetische Produkte ausgebe. Ich habe viel Platz im Bad und vor allem in meiner Dusche. Und zudem spare ich eine Menge Zeit: zum einen, weil ich in der Drogerie nicht mehr meine ganzen Produkte zusammen suchen oder nach Angeboten Ausschau halten muss und unabhängig bin, und zum anderen, weil meine Haare nach dem Waschen super leicht kämmbar sind und innerhalb kürzester Zeit von selbst durchtrocknen. Aktuell wasche ich meine Haare ungefähr zwei Mal pro Woche.

Meine Haare sind seither widerstandsfähiger: das merke ich vor allem daran, dass sie bei Regen nicht mehr so schnell krisseln und sich mit Feuchtigkeit vollsaugen und aber auch, weil mir seither insgesamt sichtbar weniger Haare ausfallen. Meine Spitzen sind mittlerweile auch nicht mehr trocken, sodass es nicht einmal Öl oder sonstiger Zusätze bedarf, um sie zusätzlich zu pflegen.

Natürliche Haarpflege

Es gibt in größeren Städten (wie bspw. Berlin) sowie sicher auch in kleineren Gemeinden einige Naturfrisöre, die damit vertraut sind, dass Shampoo und andere Produkte nicht die einzige Lösung sind, um Haare zu waschen. Hier ist es z.B. auch möglich die Haare trocken schneiden zu lassen. Dieses war für mich vor allem in den ersten Monaten goldwert, da es mir ein gutes Gefühl gegeben hat, dass es möglich war, absolut selbst zu bestimmen, was mit meinen Haaren passiert, und auf der anderen Seite wurde ich noch darin bestärkt nicht „aufzugeben“. Außerdem habe ich noch den einen oder anderen hilfreichen Tipp bekommen.

Als Kind habe ich es so beigebracht bekommen, jahrelang waren Shampoo und weitere Produkte für mich unabdingbar, heute kann ich es mir nicht mehr vorstellen noch irgendetwas in der Art zu nutzen. Es ist für mich eine komische Vorstellung sich etwas auf die Kopfhaut zu schmieren, obwohl man weiß, dass das pures Gift für den Körper und man sich damit einfach nichts Gutes tut.

Ich fühle mich nun wesentlich wohler und freier und es gibt mir ein Gefühl der Unabhängigkeit!

 

0 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nicole sagt:

    Wow, du hast es also geschafft, gratuliere, ich weiß wie schwer es ist. Danke für deinen ausführlicher Beitrag zum Thema Haare waschen. Ich beschäftige mich auch schon lange mit dem Thema natürliche Kosmetik und habe schon viel probiert. Roggenmehlshampoo, Heilerde, Zitronen-Spülung, selbstgemachte Haarseife, doch irgendwie habe ich nie ganz durchgehalten. Als „Alternative“ hab ich jetzt ein selbstgemachtes Shampoo mit wenig und sehr milden Tensiden, aber dein toller Beitrag inspiriert mich, es wieder zu versuchen 🙂 Danke dafür!
    Herzensgrüße, Nicole

    1. Coco sagt:

      Hallo Nicole,
      ach wie schön! Ich freue mich so über dein positives Feedback! Toll!
      Ja, es ist -anfangs- ein wenig mehr Aufwand – hat man es einmal geschafft, ist es so einfach im Alltag! Frei und unabhängig, ich liebe meine Haare seither! Ich plane demnächst nochmal einen Artikel zu veröffentlichen wo ich mich direkt dem „Abgewöhnen“ widmen will. Was genau waren denn bei dir die Schwierigkeiten damals?
      Ganz liebe Grüße zurück!!
      Coco

      1. Nicole sagt:

        Was die Schwierigkeiten waren, ist für mich im Nachhinein gar nicht so einfach zu definieren. Mit der Seife waren die Haare nach dem Waschen oft irgendwie „wachsig“. Ich stell dir meinen Link dazu rein: https://herzwaerts.wordpress.com/2016/07/09/der-quirx-mit-den-haarseifen-geht-weiter-teil-2/#more-337
        Mit dem Roggenmehl-Shampoo bin ich am besten gefahren, obwohl mir auch das auf Dauer nicht wirklich passte, da meine Haare immer fettiger und glänzender wurden. Auch hier hab ich einen Beitrag dazu geschrieben, falls es dich genauer interessiert: https://herzwaerts.wordpress.com/2016/09/12/roggenmehl-shampoo/
        Also das Fazit: mir waren die haare zu speckig, aber ich hab auch nicht VOR dem Waschen gebürstet, so wie du. Das wäre noch eine Alternative zum Ausprobieren. Ich freu mich auf einen weiteren Beitrag zu dem Thema 🙂
        Herzensgrüße, Nicole

        1. Coco sagt:

          Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort 😊 und danke vor allem für den direkten Hinweis zu deinen Beiträgen, da werd ich gleich mal lesen und stöbern ☺ es ist beruhigend zu wissen, dass du ähnlich experimentiert hast!! Falls Du den Versuch nochmal wagen solltest – Kämmen ist nicht zu unterschätzen, die Kopfhaut will befreit und angeregt werden ☺ Und die Bürsten immer ordentlich auswaschen 😉 viel Glück dabei, falls du es versuchen solltest, und ganz liebe Grüße!

          1. Nicole sagt:

            ja, ich glaube das Kämmen könnte da wirklich der entscheidende Punkt sein. Und du wascht deine Haare nur mit „Zitronenwasser“? Ich frag nur nochmal nach ob das alles ist 😉 LG

          2. Coco sagt:

            Ja, aktuell habe ich immer einen kleinen Becher in meiner Dusche, gebe einen Spritzer Zitrone hinein und auch 3 Tropfen (äth.) Zitronengrasöl, dann gieße ich es mit 1 Liter kühlem Wasser auf. Ich spüle vorweg mit lauwarmen Wasser, dann mit der Rinse und spüle zum Schluss noch mit kühlem Wasser nach 🙂 Liebe Grüße! PS. Habe dir auch eine Mail geschickt!!

          3. Nicole sagt:

            Danke dir für die Antwort. Ich find das super 🙂 Sonnige Grüße, Nicole

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