Über Mythen und das Bauchgefühl

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Kennst du das auch? Man wird von überall und jeder Ecke mit besten Ratschlägen belehrt: „An apple a day keeps the doctor away“ oder „Man sollte 5 Portionen Obst pro Tag essen“ oder „ Jeden Tag sollte man einen Smoothie trinken“ oder „Man sollte mindestens einmal täglich einen Salat essen“ oder „Man sollte täglich zwei Esslöffel Chiasamen essen, denn sie decken den gesamten Tagesbedarf an…“ oder „Nach dem Sport sollte man…“ oder oder oder! Was soll man denn noch alles?

Recherchiert man ein wenig im Internet oder liest man Bücher, stößt man auf so viele Konzepte, Ratschläge, Ideen, Ernährungsformen, Tipps und vieles mehr – mal ganz davon abgesehen, dass in der heutigen Zeit so viel Mythen kursieren und man sich dem kaum enthalten kann. Gibt es überhaupt die eine richtige Wahrheit?

Ich habe mir lange Zeit vieles zu Herzen genommen, vieles versucht umzusetzen und ich kann aus Erfahrung sagen: es bedeutet viel Stress! Man fügt sich hierbei, hört nicht auf seinen Bauch und wahrscheinlich auch nicht auf seinen Appetit oder Geschmack, doch darum sollte es beim Essen an aller erster Stelle gehen. Und dazu kann man diese ganzen tollen Ideen gar nicht umsetzen! Es ist sicher richtig, wenn man sich mancher Tatsachen bewusst ist, doch bringt es rein gar nichts davon seine Ernährung dominieren zu lassen. Und seien wir doch mal ehrlich: „An apple a day“ tut’s jetzt auch nicht unbedingt, wenn man sich zudem ausschließlich von ungesunden Sachen ernährt und wenn man sich ansonsten aber total gesund ernährt, braucht man auch nicht unbedingt den Apfel. Woher stammen dann also solche Mythen?

Auf das Bauchgefühl hören

Natürlicher Sonnenschutz

Besinnt man sich einmal und hört wirklich in sich hinein, wird man merken, dass es gar nicht notwenig ist, jeden Tag die Portion Chiasamen, einen Apfel, mindestens einen Smoothie und einen Salat und und und zu sich zu nehmen. Was sagt mir der Körper wirklich und wann haben wir Hunger? Das ist nämlich genau das Stichwort: Grundvoraussetzung für eine optimale Verdauung ist der Hunger. Auch wenn es in manch einem Ratgeber heißt, dass man „auch essen sollte, wenn man keinen Hunger hat und man ein Frühstück nicht ausfallen lassen darf“. Wenn man auf sein Hungergefühl hört, isst man bestensfalls 2-3x am Tag. Wenn man 3x täglich isst, ist das auf jeden Fall mehr als ausreichend. Doch auch zwei Mahlzeiten können mehr als sättigend sein.

Bereitet man sich eine Mahlzeit zu, hat das Gehirn die Chance sich darauf vorzubereiten. Wir stellen uns quasi darauf ein, dass wir bald etwas zu essen bekommen. Mit allen Sinnen nehmen wir wahr, was wir gleich im Mund haben werden und ganz automatisch werden schon Prozesse für die Verdauung angeregt.

Lässt man sich während des Essens viel Zeit, genießt jeden Bissen, kaut ausreichend bzw. versorgt die Nahrung ordentlich mit Speichel, schont das Magen und Darm und das ist schon der erste Schritt für eine optimale Verdauung. In der Regel setzt das Sättigungsgefühl nach 20 Minuten ein. Ich habe irgendwann mal gehört, dass man „schneller satt wird, wenn man auch schneller isst“, doch auch das ist totaler Quatsch! Wenn man sich auf das Essen konzentriert und der Mahlzeit die volle Aufmerksamkeit widmet, wird man auch ohne Uhr ein Völlegefühl nach mehr oder weniger 20 Minuten verspüren, ein Gefühl der Sättigung, was lange anhält. In der Regel schafft man in dieser Zeit übrigens ca. einen Teller voll mit Essen.

Optimale Verdauung im Darm

Sofern man auf sein Hungergefühl hört und regelmäßig täglich für eine gewisse Zeit einer ausgewogenen Mahlzeit volle Aufmerksamkeit schenkt und isst bis ein gewisses Völlegefühl einsetzt, sind dies die besten Voraussetzungen für eine optimale Verdauung und wir versorgen unseren Körper ganz wunderbar mit Vitalstoffen. Alles andere überfordert den Körper und führt genau zum Gegenteil. Denn einen Ratschlag sollte man sich in jeder Hinsicht zu Herzen nehmen: wenn wir zu viel essen, oder zu oft oder zu schnell, können unsere Verdauungsorgane keine gute Arbeit leisten und die Nahrung wird nur schlecht verdaut. Das führt dazu, dass unverdaute Nahrungsreste im Darm zurückbleiben und anfangen zu gähren.

Sofern wir zu große Mahlzeiten zu uns nehmen (Stichwort: „Wenn du als Veganer nur so wenig isst, kannst du ja gar nicht satt werden!“), versagt kurzfristig wie langfristig unser Verdauungssystem, die Nahrung kann nicht optimal verdaut werden, Säuren entstehen, der Körper übersäuert und die Organe werden ordentlich mit Giften überlastet. Die Nahrungsreste fangen dazu an zu gären, sofern sie nicht verdaut werden und es entstehen Gase. Durch all diese Prozesse werden unsere Schleimhäute im Darm ganz ordentlich gereizt. Das Fazit dessen ist, dass wir so kaum noch Vitalstoffe aus unserem so guten und gesunden Essen aufnehmen können. Essen wir also zuviel und/oder zu oft, bringt uns das rein gar nichts. Um die Säuren zu neutralisieren benötigt der Körper sogar noch vermehrt Nährstoffe und schreit schon recht schnell wieder nach Nahrung: ein Teufelskreis.

Weniger ist mehr

Vegan und glutenfrei unterwegs

Geht man davon aus, dass der Darm ein „Zuviel“ an Nahrung gar nicht mehr aufnehmen kann und es den Darm durch die entstehenden Säuren und das Gären eher schädigt, versteht es sich von selbst, dass die Mahlzeiten nicht zu groß ausfallen sollten und ein (ständiges) Überessen, auch wenn die Nahrung noch so gesund und vitalstoffreich ist, dem Körper eher schadet. Wenn man also eine riesige Mahlzeit gegessen hat und kurz darauf schon wieder Hunger hat, kann man das auf die schlechte Verwertung der Nährstoffe zurückführen. Zu viel Nahrung bringt schlichtweg einen Nährstoffmangel mit sich.

Zuletzt wurden immer wieder Stimmen laut, die sagen, dass es ausreiche, wenn man sich nicht von den empfohlenen 2000k/kal täglich ernähre, sondern von deutlich weniger, wenn nicht sogar der Hälfte. Lange habe ich mich gefragt, wie man das erklären kann, und denke auch jetzt noch, dass man sich an solchen Zahlen überhaupt nicht orientieren sollte. Vielleicht kann man ganz theoretisch davon ausgehen, dass man eine gewisse Energiedichte benötigt, abhängig von Größe, Körper, Alter, täglicher Belastung usw., doch wichtig ist das Bauchgefühl und ganz gleich, welche Ratschläge man hört oder liest: wenn man Hunger hat sollte man essen und wenn man satt ist, hört man auf. Doch für mich macht es mittlerweile viel mehr Sinn, dass man mit gesunden wenigen Kalorien das Verdauungssystem sehr entlastet und die Nährstoffe somit besser aufnehmen kann. Falls man also kein „Frühstückstyp“ ist, kann man diese  Mahlzeit auch getrost überspringen, auch wenn von vielen Seiten empfohlen wird, dass man „ohne Frühstück nicht gut in den Tag startet“. Der Körper ist morgens immer noch ordentlich beschäftigt mit entgiften, lenkt man ihn dabei mit zu verdauender Nahrung ab, bringt das alles durcheinander. Wer hingegen gegen Abend nur wenig Hunger hat, kann auch hier eine kleine Pause einlegen – ab ca. 18 Uhr schaltet der Magen sowieso in den Sparmodus und es ist ganz natürlich, dass man hier keinen großen Hunger mehr hat. Doch ganz gleich, was einem der Körper sagt: das, was man fühlt, ist das Richtige!

Um sein Gewicht zu kontrollieren und ein „Zuviel“ zu vermeiden, heißt es man solle sich daran orientieren nur bis zur „90%-Marke“ zu essen, d.h. wenn man das Gefühl hat, man wäre zu 90% satt, dann ist es genau richtig. Doch was sind 90%? Auch hier möchte ich nur empfehlen, auf das Bauchgefühl zu hören. Wenn man satt ist, ist man satt und wenn man noch nicht satt ist, dann isst man noch etwas. Wenn man langsam und mit voller Aufmerksamkeit seine Mahlzeit genießt, wird der Körper einem sagen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um aufzuhören.

Fazit

Wir leben in einer Zeit, wo wir durch die Medien und Laienwissen mit Ernährungsmythen überall und zu jeder Zeit überrollt werden. Sicher gibt es darunter viele Wahrheiten, und es wäre auch falsch alles zu ignorieren. Doch in jeder Hinsicht sollte man die gut gemeinten Ratschläge und neuen Erkenntnisse für sich prüfen. Ein gesundes Gefühl zum Essen entwickelt man nicht dadurch, dass man seine Ernährung durch Vorgaben dominieren lässt. Man muss sich auch nicht für eine „Ernährungsform“ entscheiden, viel wichtiger ist, dass das, was man isst, einem zu 100% schmeckt und man jeden einzelnen Bissen genießt. Wenn du dir bewusst darüber bist, was du isst und warum und du lässt es dir noch richtig gut schmecken, nimmst du all die notwendigen Informationen für deinen Körper auf und dein Magen und Darm können die Lebensmittel optimal verdauen.

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